{"id":3648,"date":"2025-08-20T15:10:02","date_gmt":"2025-08-20T13:10:02","guid":{"rendered":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/?p=3648"},"modified":"2025-08-20T15:15:10","modified_gmt":"2025-08-20T13:15:10","slug":"von-guten-begegnungen-interview-mit-dem-neuen-praesidenten-von-plusbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/von-guten-begegnungen-interview-mit-dem-neuen-praesidenten-von-plusbildung\/","title":{"rendered":"Von guten Begegnungen. Interview mit dem neuen Pr\u00e4sidenten von plusbildung"},"content":{"rendered":"<p>Der Theologe Daniel Schmid Holz ist der neue Pr\u00e4sident von plusbildung. Im Gespr\u00e4ch mit dem St. Galler Pfarrer \u00fcber seine Ziele mit dem Dachverband f\u00fcr kirchliche Erwachsenenbildung, Inspiration und Vielfalt sowie seine sp\u00e4te Berufung zur Trompete.<\/p>\n<p><strong><em>Daniel Schmid Holz, Sie waren bei der Gr\u00fcndung der St. Galler Agenda 2030 dabei und engagieren sich in der S\u00fcdosteuropa-Gruppe der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas. Ist es ein Zufall, dass Sie Trompete spielen, die f\u00fcr Aufbruch steht, f\u00fcr Wandel, f\u00fcr den \u00dcbergang in eine neue Zeit?<\/em><\/strong> Dass ich Trompete spiele, hat weniger mit Aufbruch zu tun, sondern mit einer Sehnsucht. Diese hatte ich seit meiner Kindheit und als ich Dreissig war, beschloss ich, endlich Trompete zu lernen. Kurz darauf fielen mir Zeichnungen aus Kindertagen in die H\u00e4nde \u2013 von einer Trompete. \u00dcbrigens ist der Einsatz als Signal, etwa als Fl\u00fcgelhorn im Milit\u00e4r und auf der Jagd nur eine Form der Trompete. Sie ist auch ein Solo-Instrument. Pers\u00f6nlich spiele ich sie gern in einer Band. Dort geht es darum, eben nicht \u00fcber die anderen hinwegzuspielen, sie nicht zu \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p><strong><em>Was hat Sie motiviert, das Pr\u00e4sidium von plusbildung zu \u00fcbernehmen?<\/em><\/strong> Meine \u00dcberzeugung, dass dieser Verband bestehen bleiben muss. Ich arbeite seit langer Zeit in der Erwachsenenbildung, fr\u00fcher an zwei kirchlichen Tagungszentren und bis heute in der reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen. Deshalb sehe ich, welche Bedeutung das Thema hat, f\u00fcr das sich plusbildung einsetzt. Zugleich ist es f\u00fcr die Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren, wichtig, einen Ort zu haben, wo sie Gleichgesinnte finden. Sich austauschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Was reizt Sie an dieser Aufgabe besonders?<\/em><\/strong> Den Verband gesamtschweizerisch zu st\u00e4rken, sprach\u00fcbergreifend. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Romandie. Miteinander unterwegs sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Die Strategie von plusbildung setzt auf Identit\u00e4t und Profilbildung. Wie werden Sie diesen Fokus ansteuern?<\/em><\/strong> Obwohl es den Verband schon \u00fcber zehn Jahre gibt, kennen die Mitgliedsorganisationen einander kaum. Das erschwert die Zusammenarbeit im Verband und auch, dass man aufeinander zugeht. Ich m\u00f6chte das \u00e4ndern und ein Format schaffen, bei dem man sich gegenseitig kennenlernt. Dazu geh\u00f6ren auch Portraits der Mitgliedsh\u00e4user und Personen f\u00fcr die sozialen Netzwerke und die Website.<\/p>\n<p><strong><em>Die Mitgliedsorganisationen von plusbildung k\u00e4mpfen teils ums \u00dcberleben. Was kann der Verband tun, ihre Angebote zu st\u00e4rken?<\/em><\/strong> Er kann seine \u00d6ffentlichkeitsarbeit ausbauen und auch Kirchenleitungen und Bildungsgremien der Kirche ansprechen. Ihnen diese Form der Erwachsenenbildung bekannt machen.<\/p>\n<p><strong><em>plusbildung versteht sich als \u00f6kumenische Plattform \u2013 wo sehen Sie das gr\u00f6sste Potenzial?<\/em><\/strong> Indem plusbildung \u00f6kumenisch aufgestellt ist, hat der Verband eine gr\u00f6ssere Vielfalt, als wenn er nur evangelisch, katholisch oder christkatholisch ausgerichtet w\u00e4re. Es verbindet uns, dass wir Bildung auf einem kirchlichen Hintergrund anbieten, auf einem christlichen Hintergrund. Und das k\u00f6nnen wir als Verband zeigen.<\/p>\n<p><strong><em>Wo sehen Sie Herausforderungen einer \u00f6kumenischen Ausrichtung?<\/em><\/strong> In unserer Verschiedenheit. Deshalb finde ich es wichtig, zu betonen, dass eine \u00f6kumenische Ausrichtung ein Miteinander bedeutet, ein miteinander unterwegs sein, als gleichwertige Partnerinnen und Partner. Die einzelnen Mitglieder sollen ihre Eigenheit bewahren k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen wir einander inspirieren. Das ist unsere Chance.<\/p>\n<p><strong><em>Was m\u00f6chten Sie in den ersten Monaten Ihrer Pr\u00e4sidentschaft anpacken?<\/em><\/strong> Der zentrale Punkt wird unsere \u00d6ffentlichkeitsarbeit sein.<\/p>\n<p><strong><em>Wie begegnen Sie Skepsis gegen\u00fcber kirchlicher Bildung?<\/em><\/strong> Ich versuche, gute Begegnungen zu schaffen. F\u00fcr Menschen, die es wagen, an einem Angebot unter dem Label \u00abKirche\u00bb teilzunehmen und dann vielleicht sagen k\u00f6nnen, dass ihnen das gefallen hat.<\/p>\n<p><strong><em>Was bedeutet f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich \u00abkirchliche Bildung\u00bb im 21. Jahrhundert?<\/em><\/strong> Dass einerseits die Menschen, die noch in der Kirche sind, mit der Tradition der Kirche vertraut werden. Andererseits finde ich es zentral, dass Kirche im gesellschaftlichen Leben als Partnerin wahrgenommen wird, die einen Beitrag zu einem guten Leben leistet. Dass sich die Kirche nicht auf sich selbst zur\u00fcckzieht.<\/p>\n<p><strong><em>Sie sind seit 17 Jahren Bildungsbeauftragter der reformierten Landeskirche St. Gallen und haben zehn Jahre ein Bildungshaus geleitet. F\u00fcr wen sind kirchliche Angebote f\u00fcr Erwachsenenbildung interessant?<\/em><\/strong> Wir haben heute im kirchlichen Bildungsbereich zunehmend ein Publikum, welches sich zwar f\u00fcr Kirche interessiert, aber nicht vertraut ist mir ihrer Tradition, mit theologischen Fragen. Es ist ein Publikum, dem im weitesten Sinn auch das Christentum fremd geworden ist. Und aus der Tradition der Sozialethik hat die Kirche den Auftrag, sich damit zu befassen, was Menschen existenziell besch\u00e4ftigt. Was ihre Fragen nach dem Anfang und dem Schluss des Lebens sind. Etwa pr\u00e4natale Diagnostik, das Sterben, auch Fragen bez\u00fcglich dem Klimawandel, wie wir damit umgehen, uns verhalten, Fragen von Krieg und Frieden. Es sind Fragen bez\u00fcglich des Lebensstils: Wie soll ich leben, damit ich mich wohl f\u00fchle, damit ich ein gutes Leben lebe?<\/p>\n<p><strong><em>Das heisst, die Angebote der Mitglieder von plusbildung setzen nicht voraus, dass ich gl\u00e4ubig bin?<\/em><\/strong> Genau. Es ist wie beim barmherzigen Samariter, der an einem verletzten Menschen vorbeikam und nicht fragte, welchen Glauben dieser habe, bevor er ihm half, sondern handelte. So ist es mit der kirchlichen Bildung und der \u00d6ffentlichkeit; wir wenden uns an Menschen, die mit Fragen unterwegs sind und zuerst geht es einfach darum, dass wir wie ein Echolot sind, um zu sehen, wo der Puls der Menschen ist. Es ist kein Religionsunterricht. Zum Beispiel das Lassalle-Haus, wo Stille und Meditation wichtig sind. Nat\u00fcrlich entstand das vor dem Hintergrund von Buddhismus und Christentum. Aber ich muss nicht Buddhist oder Christ sein, um zu entdecken, dass mir Stille und Meditation gut tun k\u00f6nnen. Darum geht es. Nicht um eine Fr\u00f6mmigkeit. Heute ist die Frage, wer ich bin, viel bedeutender als zu anderen Zeiten und wenn diese Frage mit einem Bed\u00fcrfnis, einer Sehnsucht zusammenkommt, auch spirituell ber\u00fchrt zu werden, gibt es ganz unterschiedliche Formen, das zu pflegen.<\/p>\n<p><strong><em>Angenommen, es g\u00e4be die Arbeit nicht. W\u00fcrden Sie sie wollen?<\/em><\/strong> Arbeit? Auf jeden Fall! Ich kann nicht ohne sein.<\/p>\n<p><strong><em>Glauben Sie, Sie werden generell untersch\u00e4tzt oder \u00fcbersch\u00e4tzt? Was w\u00e4re Ihnen lieber?<\/em><\/strong> Diese Frage stelle ich mir selten. Ich denke, ich stelle mein Licht eher etwas unter den Scheffel. Mir ist es durchaus wohl, etwas, wie soll ich sagen, nicht untersch\u00e4tzt zu werden, aber etwas \u00abunderdressed\u00bb unterwegs zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/strong> Daniel Schmid Holz (65) ist promovierter Theologe und Pfarrer, seit 2008 Beauftragter f\u00fcr Erwachsenenbildung der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen und seit drei Jahren im Vorstand von plusbildung. Er ist Gr\u00fcndungsmitglied der St. Galler \u00abAgenda 2030\u00bb und Mitglied der S\u00fcdosteuropa-Gruppe der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE). Er leitete w\u00e4hrend zehn Jahren den Bildungsbereich des evangelischen Tagungs- und Studienzentrums Boldern und war 18 Jahre Vorsitzender des st\u00e4ndigen internationalen Ausschusses des Deutschen Evangelischen Kirchentags.<\/p>\n<p><strong>\u00d6kumenische Erwachsenenbildung <\/strong>plusbildung ist ein schweizweiter Verband von \u00fcber vierzig Bildungsh\u00e4usern, Fachstellen und Organisationen aus dem katholischen, evangelisch-reformierten und \u00f6kumenischen Umfeld. Sein Ziel ist die St\u00e4rkung christlich begr\u00fcndeter Erwachsenenbildung. Der Verband wurde im Jahr 2013 gegr\u00fcndet <strong><em>plusbildung.ch<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Interview: Thomas Stucki<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Schmid Holz heisst der neue Pr\u00e4sident <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3650,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[5,7],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648"}],"collection":[{"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3648"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3649,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648\/revisions\/3649"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/plusbildung.ch\/d\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}